Go ahead London
Posted on 28. Feb, 2010 by wax in On the road again
Wen meine abenteuerlichen Memoiren nicht interessieren, der darf an dieser Stelle getrost umschalten. Alle anderen lade ich hiermit herzlichst auf ein verlängertes Wochenende ein.
Etwas recht bedeutendes ist in meinem Universum geschehen. Ich habe endlich meine Diplomarbeit beendet und abgegeben. Welch befreiendes Gefühl. So ein Meilenstein der persönlichen Geschichte muss natürlich zünftig gefeiert werden.Um mich auch als alter Greis noch an die Vitatlität jüngerer Jahre erinnern zu können, habe ich die letzten drei Tage protokolliert.
Freitag:
[8:20] Morgenstund hat wax im Mund, gäääääähn!
[8:25] Wo bin ich? Egal, Zeit für Musik. Wahl fällt auf Scuba’s Mix von der Sub:stance im Berghain letzten Jahres. Eleganter Einstieg in den Morgen.
[9:00] Erste Gedanken über die Abendplanung machen sich breit. Ich hassliebe diese Stadt. Unglaublich, wie viel gute Musik hier an einem Wochenende gespielt wird. Allein heute habe ich die Wahl zwischen:
- Club 1: Shitkatapult Labelnight mit T.Raumschmiere und Meteo (live)
- Club 2: Holger Zilske, Dave DK und Tom Clarke
- Club 3: Deadbeat (live)
Schwere Wahl. Deadbeat wäre sicher interessant, Zilske auch, weil ich sein Album so gern mag. Und mit Dave DK im Schlepptau wäre es sicher ein tanzbarer Abend. Die erste Entscheidung tendiert jedoch Richtung Shitkatapult. Hab schon lang nicht mehr auf die Schnauze gekriegt.
[9:10 – 12:00] Emails checken.
[12:30] “Sport, Sport, Sport, Sport, Sport”
[15 – 19] Mentale Vorbereitung auf den Abend.
[19:00 Uhr] Die gottverfluchteste aller Arbeiten wartet auf mich. Bügeln. §$#%&&$§)§($!!!
[21:30] FLOP! “… Holsten, das ist unser Pils und das knallt am dollsten!” Party on, Wayne.
[22:30] Zwei Freundinnen aus Zürich haben heute Ligaspiel beim Kickern. Sie treten gegen zwei andere Miezen an. Ich schlüpfe in die Rolle des Fanboys, stehe also mit Bier in der Hand an der Wand und versuche am Ball zu bleiben. Trotz bahnbrechender Halbzeitshow meinerseits verlieren wir 3:1. Der gegnerische Sturm hatte aber auch eine abartige Rechte. Ich tröste die beiden Mädels mit einer gezielten Musikwahl aus der vorhanden Jukebox. Beck – Loser bringt die beiden wieder zum Lachen. Gute Verlierer.
Samstag:
[00:00] Der morgentliche Partygedanke hat mich nicht losgelassen. Und so entschliessen wir uns dazu uns von Shitkatapult ordentlich die Leviten lesen zu lassen. Meteo fängt erst um 2 Uhr an. Time for another beer. FLOP!
[2 Uhr] Ich bin betrunken, aber noch lange nicht sturzbetrunken. FLOP!
[2 – 3] Bösartige Musik von Meteo. Unglaublich schwerfällig. Es drückt mich regelrecht auf die Tanzfläche.
[3 Uhr] Da steht so eine Howard Carpendale-Verschnitt mitten auf der Tanzfläche. Zartrosa Hemd, Schmalzlocken und eine unfassbar grosse, funkelnde Uhr am Handgelenk. Das sind genau die Momente, an denen es mich ankotzt, dass elektronische Musik so populär geworden ist.
[3 Uhr] T.Raumschmiere legt los. Bam! Was für ein Einstand. Plötzlich lässt sich die Energie im Raum greifen. Random Noise Music. Ein Schlag ins Gesicht folgt dem nächsten. Lang nicht mehr so gestörte Musik gehört. Aber mir gefällts und bringt mich wieder auf Vordermann, bin leicht müde geworden. Gut so, ich muss nämlich um 7 Uhr am Flughafen sein.
Flughafen? Ja. Bevor das Arbeitsleben im April so richtig beginnt, werde ich den März in London bei einer guten Freundin verbringen. Das Reisedatum ist zugegebenermassen etwas ungünstig gewählt. In zwei Stunden werde ich mich sehr hassen.
[5 Uhr] Bin zu Hause. Blick in den Spiegel. Oh Schreck, was ist mir denn für eine Laus über die Leber gelaufen? Widerlich.
[5:05] Sitze gähnend am Schreibtisch und überlege unter die Dusche zu springen.
[5:20] Sitze gähnend am Schreibtisch und überlege unter die Dusche zu springen.
[5:25] Die Entscheidung ist gefallen. Ab unter die Dusche.
[5:50] Ich war in meinem ganzen Leben nicht so müde wie im Moment. Wie kam ich nur auf die Schnapsidee durchzumachen? Spiele mit dem Gedanken mir die zwei Aspirin vor mir direkt zu spritzen. Kopf-Stein-Pflaster!
[6:30] Ab Richtung Flughafen. Zeit für Musik. Peter Kruder’s “private collection” macht das Rennen. Balsam für den Kopf.
[6:50] Wie ich mich hasse. Gääääääähn!
[7:00] Zürich Airport, Checkin. Ich rieche meine eigene Alkoholfahne. Zwei Mentos später geht’s wieder. Mein Koffer wiegt gefühlte 800kg. Der Blick auf die Waage lässt mich aufatmen. 19,2kg. Schwein gehabt. Zum Glück hat die Dame am Schalter nicht mein Handgepäck nicht gewogen. Die Sporttasche ist voll mit Gerätschaften, Netzteilen und rund 400m Kabel. Wahnsinn was man heute zum Überleben alles benötigt.
[7:15] Jedes mal ein erniedrigendes Gefühl seinen Gürtel an der Sicherheitsschleuse ausziehen zu müssen. Ich fliege übrigens mit Easyjet. Die ganzen Booking-Unterlagen habe ich von einer sehr merkwürdigen Email-Adresse bekommen. Und zwar blackhole@easyjet.com. Ich fliege also in einem Arschloch. Kein schöner Gedanke.
[7:20] Na toll, bin mit allem fertig und boarding geht erst 9 Uhr los. Ich werde einpennen und nie wieder aufwachen, ich seh’s kommen. Gäääääääähn. Gott, wie ich mich hasse.
[7:30] “Einen Liter Kaffee intravenös bitte.”
[9:40] Keine Ahnung wie ich bis jetzt wachblebien konnte. Aber jetzt heisst es erstmal “Über den Wolken eieieiiii, muss das Leben so grenzenlos sein …” Kaum hat das Flugzeug Bodenkontakt verloren, schlafe ich für die gute Stunde ein.
[10:25 Ortszeit] The weather is very british. Ein romantischer Mix aus Sturmböhmen, kaltem Regen und einer ordentlichen Prise widerlich. Jetzt heisst es erstmal eine Stunde Busfahren, bis ich in der Stadt bin und dann nochmal eine Stunde, bis ich an meiner zukünftigen Residenz ankomme. Unglaublich wie müde ich bin. Und heute Abend gehts sicher gleich wieder weiter. Sollte, werde ein Mittagstschläfchen halten.
[13:30] Von wegen zwei Stunden. Satte drei Stunden sass ich im Bus. Was für eine nervtötende Tour. Nie wieder London Luton Airport. Kann ich ja gleich laufen.
[13.30] Überlege mich schlafen zu legen. Meine gute Freundin muss noch wo hin. Ich entschliesse mich sie zu begleiten. Schlafen kann ich auch später.
[20:00] Huch, ich sitze in einer Bar und führe das nächste Bier zu mir. Wie bin ich hier nur hergekommnen. Bin schon extrem müde. Wobei es sind einfach immer nur kurze Müdigkeitsattacken, in denen ich völlig verwirrt bin und nicht wirklich weiss wo ich bin. Gääääähn!
[22:00] Der Runde schliessen sich mehr und mehr nette Menschen an. Hello, nice to see you again. Flop!
Sonntag:
[4:00] Ich kipp gleich um. Aber zum Glück sind wir nun zu Hause angekommen. Ich lege mich ins Bett und bin auf der Stelle weg. Nach 44 Stunden ohne Schlaf verständlich.
Puh, war das eine Tour. Schätze ich werde sie so schnell nicht vergessen. Habe also alles richtig gemacht. Ab morgen dann besuche ich dann vormittags dann eine Sprachschule hier. Der Rest des Tages steht mir zur freien Verfügung. Habe vor auch das Nachtleben etwas auszukundschaften. Ganz besonders freue ich mich endlich Dubstep laut im Club zu hören. Kommenden Donnerstag spielt Scuba. Woche Später dann Flying Lotus und Benga. Das wird grossartig, ich weiss es. Ansonsten werde ich versuchen auch mal das eine oder andere Photo zu machen, auch wenn ich das sonst bei Stadtausflügen eher vermeide. Aber so ein Monat ist ja lang, vielleicht ergibt sich das ein oder andere Motiv. Wenn dem so ist, erfahrt ihr es als erstes, Freunde.



inci
28. Feb, 2010
bingo!
guter einstand! und interessant zu lesen. have fun, alter discotizer!
ps: und dass du mir ja nicht ohne ne fotodoku über streetart in london heimkommst! ;)
gregor
01. Mrz, 2010
thumbs up! gefällt! ;)
glückwunsch zum dipl — meine bachelornote steht noch aus… kann nur schlecht werden.. haha ;(
wax
01. Mrz, 2010
Danke, danke. Ich muss das Ding auch noch verteidigen irgendwann im April. Dann erfahre ich auch erst meine Note. Fühlt sich trotzdem befreiend an. Ich drück Dir die Daumen Gregor. Wird bestimmt ne Topnote, alter Streber.